Rotkäppchen
Le petit chaperon rouge, Little Red Riding Hood oder Krasnaja schapotschka
- kaum ein Märchen dürfte im europäischen Raum bekannter
und beliebter sein.
Bevor die Geschichte durch Charles Perrault (1628-1703) im Jahre 1697
erstmalig aufgezeichnet wurde, fand sie in verschiedenen französischen
Regionen mündliche Verbreitung.
Das Volksmärchen vom Rotkäppchen ist wohl eng mit dem Volksmythos
vom Werwolf verknüpft und trägt deutlich anthropophagische
(Anthropophagie = Menschenfresserei) Züge. Das Rotkäppchen
tritt uns als junge Frau oder zumindest als pubertierendes Mädchen
gegenüber und die Freßtat des Wolfes bleibt ungesühnt.
In der Fassung Perraults werden der anthropophagische Aspekt zwar getilgt,
dafür der sexuelle Aspekt (Rotkäppchen = weibliche Unschuld,
Wolf = agressive männliche Sexualität) und seine sozial-ethische
Interpretation (brave Mädchen gehen nicht auf Abwege und kommen
darum in der Gefahr nicht um) betont.
Im deutschen Sprachraum fand das Märchen zunächst durch Ludwig
Tieck weitere Verbeitung, der die Figur des Jägers und durch ihn
die Rettung von Großmutter und Rotkäppchen einführte.
Von herausragender Bedeutung für die Rezeption des Märchens
ist natürlich der Text der Brüder Grimm, der das Bild vom
Rotkäppchen stärker prägte als alle anderen Fassungen.
Weitgehend
parallel zur literarischen entwickelte sich die künstlerische Bearbeitung
des Märchens.
Neben einer sogenannten Perrault-Linie mit Tabart, Crane, Hosemann,
Bertall, Grandville und Doré entwickelte sich eine Grimm-Bechstein-Linie
mit Richter, Sörensen, Gorey, Hechelmann und Zwerger. Eigenständige
und bisweilen freie Auseinandersetzungen wagten u. a. Janosch, Ungerer
und Wäscher.
Außerhalb der Märchenwelt wurde der Rotkäppchenstoff
in der populären Kultur (Werbung, Film, Fernsehen etc.) heimisch;
dazu kommen literarische, dramatische und musikalische Bearbeitungen.
Wohl kein Märchen wurde so oft zum Gegenstand wissenschaftlicher
Studien - insbesondere im Bereich der Psychologie und Psychoanalyse.
Für das Sammlerehepaar Elisabeth und Richard Waldmann aus Zürich
war insbesondere die Prominenz des Rotkäppchen-Themas in der klassischen
wie modernen Bilderbuchillustration ausschlaggebend für ihre Entscheidung,
diese ebenso umfangreiche wie vielschichtige Sammlung von Büchern,
Heften, Originalillustrationen, Bilderbogen, Spielzeugen und Konsumartikeln
anzulegen.
Im
Mittelpunkt des Sammelinteresses des Züricher Buchhändler-Ehepaares
Elisabeth und Richard Waldmann stand das Thema „Rotkäppchen“.
In über 30jähriger Sammeltätigkeit haben sie ein einzigartiges
Ensemble zusammengetragen: